Art as Plan A
Sculptor and installation artist Wolfgang Flad on choosing art without a plan B, life in the studio and money as a means rather than an end.
- Released
- Length
- 47 minutes
- Guest
- Wolfgang Flad
- Language
- German
“Everything I do for myself in the studio is only half the work.”
About this episode
Wolfgang Flad, sculptor and installation artist, talks about choosing art without a plan B and the path that led him there: caring for older people during civilian service, years assisting other artists, and seeing money as a means rather than an end. His studio routine combines practical work by day with creative hours in the evening. He relies on discipline, working rather than waiting for the perfect idea. Ideas emerge through making.
Wolfgang cuts up his own works and reassembles them as new sculptures, experimenting with materials. A chef recognises the motion of stirring a saucepan in his sculptures, changing how he sees his own work. For him, a work is only finished once someone sees it. We discuss his use of AI without letting it think for him, AI art on the market and NFTs, with a brief ETF mix- up. The conversation also covers everyday aesthetics and what Europe means to him personally.
This conversation was recorded in March 2026. Exhibitions and time-specific remarks reflect the situation at the time.
Chapters
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00:00Here we go
Wolfgang
Einer der ersten Sätze meines Professors, der war so: Ideen entstehen beim Arbeiten. Inspiration entsteht durch Tun und nicht durch, indem ich in der Sonne sitze und ein Buch lese. Das ist lustig, weil ich habe erst neulich gelernt, es gibt diesen Begriff in der Wirtschaft, in der Ökonomie, Return on Invest, R-O-I, und ich musste so lachen, weil wenn ich diesen Begriff früher schon gekannt hätte oder wenn ich mir darüber Gedanken gemacht hätte, würde es mich als Künstler überhaupt nicht geben, das ist ganz klar. Du wirst nicht dann im Alter da sitzen und sagen, eigentlich wollte ich. Also dieses Wort eigentlich wollte ich, das möchte ich vermeiden.
00:392080 intro
Nova
Willkommen bei 2080, vor uns die Sinnflut. In dieser Folge geht es um Kunst als Plan A. Wir sprechen mit Wolfgang Flath, dem in Berlin lebenden Bildhauer, über seine Atelierpraxis, kuratorische Entscheidungen und warum ein Kunstwerk für ihn erst dann vollendet ist, wenn es in den Dialog mit seinem Gegenüber tritt. Euch viel Spaß bei der Folge.
Jens
Dann auch von unserer Seite hallo. Wir sind super froh, dass du heute hier bist, lieber Wolfgang. Ja, willkommen auch von meiner Seite.
Wolfgang
Vielen Dank für eure Einladung.
Jens
Und so als Einstieg, du bist gerade elektrisch hierher gefahren von einem Ausbau, von einer Ausstellung.
Wolfgang
Genau.
Jens
Wie war es?
01:42Current shows and how works speak to each other
Wolfgang
Ja, ich habe gerade Skulpturen installiert für die in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz. Da bin ich für eine Biennale in einem kleinen Weindorf eingeladen, die im Mai stattfindet. Und als Essenz oder als Preview gibt es so eine Show in der Landesvertretung hier in Berlin.
Und da bin ich allerdings mit meinem Transporter, mit meinem Diesel hingefahren. Aber von meinem Atelier hierher war ich elektrisch. Also Ende.
Jens
Wie entscheidest du denn, weil du ja jetzt hier auch in deiner eigenen Ausstellung hier im Showroom sitzt, wie entscheidest du denn an welcher Ausstellung, bei welcher Einladung du mitmachst und wo nicht?
Wolfgang
Letztendlich ergibt sich das ja auch so ganz organisch und ist stark. Also ich bekomme Anfragen oder Einladungen und freue mich darüber erstmal prinzipiell, weil das ist das, was mich als Künstler dann nach außen strahlen lässt, weil alles, was ich für mich im Atelier mache, ist nur die Hälfte der Arbeit. Und erst wenn letztendlich die Arbeiten rausgehen oder wenn sie im besten Fall auch ihr Gegenüber finden, den Dialog dann tatsächlich auch eintreten, dann ist ja auch meine Arbeit als Künstler vollendet letztendlich. Also ich habe nur die eine Hälfte in meiner Hand und die andere Hälfte liegt eigentlich beim Betrachter im Grunde.
Jens
Und plus teilweise ja sogar noch bei anderen Künstlerinnen, die gemeinsam mit dir ausstellen und vielleicht in eine andere Kommunikation treten, in so einen anderen Austausch sozusagen.
Wolfgang
Genau, ja, also da findet dann Dialog unter den Künstlern, unter den Kunstwerken statt, was natürlich oftmals eine spannende Bereicherung ist. Und auch die Persönlichkeiten, das macht mir eigentlich am meisten Spaß dann mit den Künstlerkollegen, mit Künstlerfreunden oder auch ganz neuen Künstlern, die ich vorher nicht kannte. und dann zu spüren, zu merken, wie gut jemand tickt und funktioniert und was man für einen Dialog über die Arbeiten einerseits entstehen lassen kann, andererseits aber auch so tatsächlich dann so, das sind ja interessante Persönlichkeiten in der Regel.
Also ich stelle gerade jetzt das zum Thema mit Steffen Diemer, der war vorher journalistischer Fotograf in Kriegsgebieten und es ist eigentlich ziemlich spannend, was er so erzählt hat, wie aufreibend dieser Job war. Und ich glaube, der Auslöser war letztendlich, dass ein Kollege von ihm erschossen wurde. Und was ihn veranlasst hat, den Job an den Nagel zu hängen und dann Künstler zu werden.
Und das sind einfach so sehr interessante Persönlichkeiten. Ich habe ein paar tolle Freunde, mit denen ich auch immer wieder mal ausstelle. Das ist spannend.
Jens
Ja, vor allem hast du jetzt eben auch was angesprochen mit, ja nicht nur auf Künstlerseite, spannende Persönlichkeiten. Vielleicht sprechen wir ja nachher noch über die Menschen, die du über die Kunst dann auch kennengelernt hast oder mit denen du im Austausch bist.
04:38No-gos and why context decides
André
Ich hätte dazu auch mal eine Frage. Ja, auch ich habe mal eine Frage zu Kunst. Du sagst, du hast auf deinen Ausstellungen auch Co-Künstler, beziehungsweise du stellst mit anderen Künstlern aus. Hast du da auch
Wolfgang
No-Gos? Gute Frage. Es gibt den einen oder anderen Künstler, da wäre ich tatsächlich nicht so scharf darauf. Es gäbe tatsächlich Künstler, da würde ich auch sagen, da würde ich auch eine Galerie verlassen. Aber es sind ganz, ganz wenige.
André
Weil die Persönlichkeiten nicht zu dir passen?
Wolfgang
Ja, könnte man beides, also da muss schon beides, da muss schon sehr viel aufeinandertreffen und das ist sehr unwahrscheinlich. Aber es gibt tatsächlich diese Figuren, aber ich spreche nicht gerne über, ich spreche viel lieber über die positiven Begegnungen, über die positiven Aspekte und über den positiven Kontext. Und das ist letztendlich nochmal um auf diese Frage zurückzukommen.
Also der Kontext, wo meine Kunst gezeigt wird, ist für mich halt entscheidend. Also einmal die Personen, die Persönlichkeiten. Ich wähle eigentlich meine Leute, mit denen ich arbeite, mit denen ich zu tun habe, ganz intuitiv über so meinen persönlichen Eindruck aus und nicht über Status oder nicht über Standing, sondern wirklich, das ist ja mein Privileg als Künstler, dass ich nicht in einem Büro sitze mit Kollegen, mit denen ich zusammengewürfelt werde, sondern dass ich mir das eben aussuchen kann.
Also es bringt ja auch gewisse Unsicherheiten mit sich, Künstler zu sein. Aber das sind auch so diese Benefits, die ich habe. Also ich suche mir wirklich die Leute aus, mit denen ich arbeite.
Und das mache ich auch gerne. Und in der Regel sind es einfach, wie gesagt, schon sehr interessante und tolle Persönlichkeiten. Und dann auf der anderen Seite sind es ja nicht nur die Künstler und Künstlerkollegen, sondern es sind auch die Galeristen natürlich und Kuratoren, Kuratorinnen.
06:32Background, art school and years as an assistant
Wolfgang
und auch die Sammler und Sammlerinnen. Das sind auch sehr interessante Leute für mich. Ich komme aus ganz einfachen Verhältnissen, aus einem kleinen Dorf in Süddeutschland, aus einer großen Familie mit viel Bildung und viel musischer Schwerpunkt, aber wenig Geld und wenig Status, also gar kein Status.
Es gab ganz andere Werte für mich und für uns als Familie und Geschwister. Aber über die Kunst kam ich auf einmal mit sehr, sehr interessanten Leuten zusammen. Also es fing eigentlich damit an, dass ich Assistent war.
Für mich hatte ich die Entscheidung gefällt, wenn ich Künstler werde, dann gehe ich in die Ausbildung, dann gehe ich in die Lehre sozusagen. Also nicht nur Kunst studieren an der Akademie.
Jens
In Stuttgart war das?
Wolfgang
Ich war in Stuttgart an der Akademie für Bildende Künste. Da habe ich auch relativ schnell gemerkt, dass es da nicht die beste Phase war, in der ich da angekommen war. Da war die Akademie vielleicht nicht in der besten Verfassung.
Da gab es einige Professorenwechsel und die Stimmung war, glaube ich, nicht so optimal. Und das hat sich schnell übertragen, auch auf die Studenten und Studierenden. Aber ich habe für mich schnell entschieden, ich möchte einfach lernen und sehen, wie ein Künstler arbeitet, wie er agiert.
Ich war einfach persönlicher Assistent von zwei, drei spannenden Künstlern. Ja, es waren alles Künstler. und da habe ich sehr, sehr interessante Menschen kennengelernt.
Das war eine spannende Zeit für mich. Also wirklich so Lifting, Uplifting.
Jens
Total toll, weil du gerade schon zwei Punkte angesprochen hast, die uns jedenfalls immer mal wieder jetzt in der Vorbereitung durch den Kopf gegangen sind. Und einer davon, du kommst aus einer kinderreichen Familie und hast das selbst auch wieder in die Tat umgesetzt.
André
Sieben Geschwister, du bist der Älteste.
Wolfgang
Ich bin der Älteste von sieben Jungs. Wow. Und habe ein ganz enges Verhältnis zum Jüngsten, der 18 Jahre jünger ist und auch hier in Berlin lebt.
08:41Five children and the work
Wolfgang
Wir arbeiten auch viel zusammen. Und tatsächlich hatte ich immer den Vorsatz, keine Kinder zu bekommen. Also ich wollte Architekt werden, Innenarchitekt, Designer, Künstler, irgendwas in diese Richtung.
Und für mich war klar, das funktioniert nicht, wenn du dann Kinder hast und so. Ich habe das ja gesehen bei meinem Vater, was es für ihn bedeutet hat. Der hat so seine Ideale letztendlich, würde ich behaupten, für uns Kinder, für die Familie aufgegeben.
Oder seine Träume so ein bisschen. Und das wollte ich eigentlich gar nicht. Aber man kann viel wollen.
Das Leben entscheidet manchmal auch anders. Und unterbewusst war das irgendwie wie vorgegeben. Das ist verrückt. Aber ich war ganz jung Vater geworden.
Und dann war für uns einfach klar, wir bekommen das Kind. Dann war ganz schnell klar, es wird kein Einzelkind bleiben, weil ich eben auch so aufgewachsen bin und meine damalige Frau auch mehrere Kinder wollte. Und eigentlich war das eine schöne Zeit und total toll, aber es war auch eine challenging Zeit, weil wir hatten wirklich gar kein Geld, gar keine...
Also es war viel Druck für mich und viel... Aber das wird dann auch sehr persönlich, letztendlich.
Jens
Und dennoch hast du das durchgezogen mit der Kunst. Letzten Freitag, ich hatte erzählt, wo ich war, habe ich mich nach einer Performance mit einer, und die war nicht mit mir, die Performance, mit einer Domina unterhalten. Und ich habe sie gefragt, ob sie aufhören würde, wenn es ihr keinen Spaß mehr macht.
Und sie hat gesagt, definitiv, Weil das, was ich mache, sieht man vielleicht nicht, aber ist so anstrengend, dass das gar nicht geht, wenn ich die Haltung verlieren würde, wenn ich den Spaß daran verlieren würde. Und sie hat eine Frage gestellt, weil wir natürlich auch kurz über Kunst gesprochen haben, würde ein Künstler, eine Künstlerin weiterhin Kunst machen, wenn sie eher kein Geld damit verdient? Und die Frage fand ich eigentlich ganz spannend.
Würdest du vielleicht jetzt ja ein bisschen anders beantworten als früher, aber dass du es früher durchgezogen hast? Krass.
10:56Idealism and no plan B
Wolfgang
Also es ist schon interessant, weil ich staune auch rückblickend, staune ich total. Also rückblickend würde ich das auch nie wieder so machen. Wenn ich gewusst hätte, gesehen hätte, was es bedeutet. Wenn ich das jetzt rückblickend mir so anschaue, dann denke ich, das ist absolut verrückt.
Jens
Dann ist ja jeder Tag für dich wie Urlaub jetzt gerade mittlerweile, oder?
Wolfgang
Nee, gar nicht. Also Tatsache ist, das ist schon komplett idealistisch und getrieben eigentlich nicht von, also ich bin nach wie vor nicht Geld getrieben, aber Geld ist natürlich notwendig, um das machen zu können und Geld ist absolut ein wichtiger Faktor, um, also wie ich schon sagte, Status interessiert mich eigentlich null. Interess mich überhaupt nicht und Geld per se auch nicht, aber Geld als Energie, als Möglichkeit, Dinge zu ermöglichen und weiterzumachen und mein Material, meine Miete bezahlen zu können und so weiter.
Das ist natürlich ein wahnsinns Antrieb. Das ist lustig, weil ich habe erst neulich gelernt, es gibt diesen Begriff in der Wirtschaft, in der Ökonomie, Return on Invest, R-O-I. Und ich musste so lachen, weil wenn ich diesen Begriff früher schon gekannt hätte oder wenn ich mir darüber Gedanken gemacht hätte, würde es mich als Künstler überhaupt nicht geben, das ist ganz klar. Sondern ich war immer angetrieben, ich wollte Kunst machen, ich war wirklich auch total interessiert an dem, was allgemein an Kunst passiert, was gemacht wird, was andere Künstler machen, was die antreibt, was die hält und wollte da irgendwie auch mitspielen in diesem großen Spiel.
Und es hat mich immer so auch am Laufen gehalten und es gab irgendwie einfach keinen Plan B. Also den gab es einfach wirklich nicht. Ich bin handwerklich sehr geschickt und ich kann immer Dinge bauen und machen und traue mir auch vieles zu. Früher dachte ich noch, ich kann alles, ich kann die ganze Welt.
Wie sagt man, könnte alles Mögliche machen. Das hat sich natürlich dann auch schnell reduziert irgendwann mal so über die Zeit. Aber es gab nie einen Plan B, sondern ich war einfach immer überzeugt, das möchte ich machen und das werde ich machen.
Und eben eher ohne über einen ROI nachzudenken.
André
Naja, da kam also so ein 9-to-5-Office-Job, wäre für dich nicht infrage gekommen.
13:24Civilian service and the word “eigentlich”
Wolfgang
Schwer zu sagen. Also wenn es geschieht ... Also ich kann ... müsste andersrum anfangen. Also ich habe Zivildienst absolviert. Ich musste ja noch 18 Monate Zivi machen. Und das hat sich rein aus Bequemlichkeit dann dahin entwickelt, dass ich bei alten Menschen war und musste mit meinem Fiat Panda von Haushalt zu Haushalt fahren und dann einkaufen, putzen, pflegen, also je nachdem, was da anstand. Das, das war eine total wichtige und gute Erfahrung für mich. Und freiwillig hätte ich das natürlich nie gemacht, aber musste das. Und das war wirklich eine ganz wichtige, entscheidende Erfahrung auch für mich.
Die alten Menschen dann zu sehen, wie sie dann in ihrem Sesselchen sitzen und so zurückblicken auf ihr Leben oder erzählen von ihrem Leben. Und manches war für mich auch echt schockierend, wie austauschbar alles ist oder wie viele Träume letztendlich auch einfach nie umgesetzt wurden oder nie realisiert wurden. Und dann dachte ich mir so, okay, du wirst nicht dann im Alter da sitzen und sagen, eigentlich wollte ich.
Also dieses Wort eigentlich wollte ich, das möchte ich vermeiden. Dass ich nicht meinen Enkeln dann später erzähle, ja, eigentlich wollte ich gerne mal Künstler werden. Dann habe ich es probiert und ich habe das Scheitern schon irgendwie auch mit, dann, okay, das ist okay, das ist in Ordnung, aber dann habe ich es probiert.
Und wenn du scheiterst, dann machst du halt was anderes oder probierst du es nochmal anders? Keine Ahnung. Wie gesagt, es gab nicht wirklich einen Plan B, aber ich hatte schon immer in Kauf genommen dass es auch nicht funktionieren kann aber ich habe 150% Einsatz gebracht, damit es funktionieren wird, ich habe auch vieles aufgegeben dafür zum Beispiel habe ich immer sehr viel Sport gemacht viele Dinge immer parallel und das hatte ich wirklich gezielt eigentlich dann auch aufgehört um mich wirklich auf die Kunst zu konzentrieren und da auch noch ich hole echt weit aus, aber aus dem Sport habe ich für mich so schnell, ich hatte immer schnell Erfolge bei sportlichen, verschiedenen sportlichen Aktivitäten, aber ich war nie ganz vorne dabei.
15:28Failure as part of the work
Wolfgang
Also ich war immer so im guten Mittelfeld irgendwie dann relativ schnell. Aber dann hatte ich gemerkt, wenn du wirklich gut werden willst, dann musst du einfach dabei bleiben. Dann ist Zeit echt ein Faktor.
Dann ist der Faktor Zeit und dich wirklich zu verbessern und zu entwickeln in ganz kleinen Steps auch dann phasenweise. das ist dann entscheidend und das hat für mich dann auf die kunst übertragen einfach gesagt okay ist eine entscheidung müssen eine lebensentscheidung der haltung und die ziehe ich
André
durch. Also, ich bin mal ganz ehrlich, dass dieses Scheitern, ob du jetzt ein Start-up gründest oder ob du, wie auch immer du deine Existenz begründen möchtest, so wie es Kunst, du, whatever, Selbstständigkeit – jedes Scheitern macht dich besser, wertvoller. Deswegen auch, wenn man ... Man muss immer definieren: Was heißt Scheitern wirklich? Und das auch noch mal zum Thema ROI, Return on Investment: Du kannst es nicht immer monetär ausdrücken. Auch dann der emotionale Invest, denkt ... der ist ja gar nicht in Geld zu messen. Selbst wenn du jetzt in eine große Wirtschaftskrise kommst, ja, und wir alle nichts mehr haben und du keine Kunst mehr verkaufen kannst, ja, das, wo du darauf zurückblicken kannst, und die Menschen, die du vielleicht glücklich gemacht hast, oder auch das, was du rausgezogen hast – unbezahlbar. Insofern kann man gar nicht mehr scheitern. Das ist ... Das geht eigentlich noch viel weiter. Das ist
Wolfgang
eigentlich ... Also diese, dieser ... Das ist interessant, dass du es so siehst, weil ganz klar ist: Meine ganzen Freunde, mit denen ich in der Schule war, die haben alle dann gute Jobs angenommen und waren in der Wirtschaft irgendwo in guten ... sind, sind bis heute natürlich irgendwie in guten Jobs. Und, und ... Aber ich würde mal behaupten – aber das behauptet hoffentlich jeder für sich –, aber ich habe das beste Leben geführt. Also dafür spielt nämlich Geld gar nicht so eine große Rolle, wie man immer denkt, sondern es sind vielmehr die Menschen um einen herum, die, die, die Beziehungen. Und was für mich auch ein total wichtiger Faktor ist: Also ich sehe mich jetzt als Künstler nicht unbedingt als, als Gestalter, aber ich bin auch irgendwie ein Gestalter. Ich bin auch jemand, der ... Ich gestalte auch mein Umfeld immer sehr stark. Mein Atelier wird immer erst mal umgebaut und meinen Anforderungen gerecht gestaltet und auch schön gestaltet. Eine Ästhetik ist für mich ein total wichtiger Faktor, um ein gutes Leben zu führen und ein gutes Leben zu haben. Und es hat nicht viel mit Geld zu tun, sondern mit Geschmack und dass man sich die Zeit nimmt und die Aufmerksamkeit aufbringt, sich mit den Dingen zu beschäftigen. Also das müssen nicht alles Designklassiker sein, aber es muss einfach, einfach passen. Es muss einfach eine gewisse Aufmerksamkeit darauf gerichtet werden, wie man lebt, wie man sich umgibt, weil das einfach die Lebensqualität auch enorm verbessert und verändert. Also finde ich, das ist für mich ein total wichtiger Faktor.
18:14Aesthetics in everyday life
André
Ist das jetzt nur in deinem Atelier so oder bist du schuldig, dass ich dich unterbreche? Oder du als Privatperson jenseits deines Ateliers, legst du da ebenso Wert drauf?
Wolfgang
Klar, in meiner Wohnung ist auch sehr liebevoll gut gestaltet und sehr schön gestaltet. Aber das ist ja auch etwas, ich gehe ja mit sehr offenen Augen durch das Leben und durch die Welt und ich sehe das ja überall. Und das hat wirklich nichts mit Geld zu tun.
Da habe ich die besten Beispiele von Freunden, die viel Geld haben und wenig Geschmack. Jetzt trete ich allen meinen Freunden auf die Füße. Und andere, die auch ohne Geld, mit gutem Geschmack wahnsinnig tolles Umfeld sich schaffen.
Und so habe ich es auch immer versucht. Ich hatte jetzt nicht Geld als Möglichkeit, aber habe da immer großen Wert darauf gegeben.
André
Wie kann ich mir so einen Tag in deinem Leben vorstellen? Viele werden dich vielleicht nicht kennen, die jetzt diesen Podcast sehen, hören.
19:17Studio life: ideas come from working
Wolfgang
Also ich bin eigentlich sehr viel am Arbeiten einfach. In meinem Atelier. Einer der ersten Sätze meines Professors, der war so, Ideen entstehen beim Arbeiten.
Inspiration entsteht durch Tun und nicht durch, indem ich in der Sonne sitze und ein Buch lese. Kann auch sein natürlich, aber das heißt, ich bin irgendwie, und das hat mich auch Jahre gekostet, mir so eine Disziplin anzueignen, auch zu arbeiten, auch wenn erstmal überhaupt kein Bedarf da ist, also überhaupt keine Nachfrage. Aber ich bin kein Frühaufsteher, definitiv nicht.
Das ist das Schlimmste, was mir passieren konnte, dass ich fünf Kinder habe, morgens aufstehen muss und die in die Schule schicken muss. aber dann fange ich so gegen 10 in meinem Atelier an ich habe auch Helfer phasenweise die mich unterstützen dabei und dann fangen wir um 10 an mit Frühstücken und Kaffee und dann legen wir los mit Arbeiten und bin dann so je nachdem also früher habe ich bis spät in die Nacht gearbeitet und heute höre ich auch früher auf und beschäftige mich mit anderen Dingen und was ich da definitiv auch noch ist also da ich einfach permanent an projekten dran bin also parallel auch an unterschiedlichen serien arbeite dann ist es mal schwerpunktmäßig mehr an den skulpturen arbeite ich einfach weiter oder wieder ein bisschen mehr schwerpunktmäßig an den relief an den wand relief arbeiten und das sind ja auch viele praktische also arbeitsschritte so die da zu machen sind und deswegen gibt es immer zu tun in meinem studio das heißt ich bin eigentlich immer schnell in diesem prozess drin und die eigentlich kreativen Momente sind eigentlich relativ wenig. Da muss alles weggearbeitet werden, der Kopf ganz frei sein und dann habe ich so den Spirit und das entsteht oft abends, wo ich dann wirklich kreativ arbeite.
Das heißt formgebend, gestalterisch wirklich mit dem Material. Ansonsten ist viel weiterarbeiten, ausarbeiten, schleifen, modellieren.
André
Wie kann ich mir dein Atelier vorstellen? Also einfach mal, wo ist das, wie groß ist das?
Wolfgang
Also es ist natürlich immer zu klein. Also war schon immer so, egal wie groß es ist, auch wenn ich irgendwann mal, so meine Vorstellung ist ja, ich habe bald eine große Halle, aber ich habe immer notorisch zu wenig Platz dafür, weil ich ja große Skulpturen baue und große Installationen auch. Und es sind eigentlich ein Werkstattraum mit einem Lackierraum.
Das sind so die zentralen Orte, wo ich mich am meisten bewege, wo am meisten passiert. Das sieht aus ein bisschen wie so eine, also weil ich viel mit Holz arbeite und so Werkstoffen, die man so mit so Handmaschinen bearbeiten kann, wie eine Werkstatt mit vielen Maschinen. Sehr organisiert, weil es eben nicht sehr groß ist. Es ist super organisiert, also alles hat seinen Platz.
Das fängt einfach damit an, dass ich keinen Besen suchen möchte, sondern ich weiß, wo der Besen ist. Also ich will keine Zeit verschwenden damit, dass ich irgendwas suchen muss. Das kann ich wirklich nicht ausstehen.
Deswegen ist es auch so die Regel bei allen, die in meinem Atelier mitarbeiten oder helfen, dass die Dinge immer aufgeräumt werden, an ihren Platz kommen und das heißt super effizient oder super effektiv zu arbeiten. Und dann gibt es einen anderen Raum, das ist eher so der Atelierraum, wo ich dann fertige Arbeiten stehen habe und Bilder zusammenbaue, also Glas mit dem Relief kombiniere und dann nochmal überprüfe, ist es richtig so oder muss ich nochmal, ist es nochmal ein Lackierraum und so weiter. Und dann gibt es oben eine Büroetage, wo ich meine Organisationen, also meine E-Mails beantworte, aber in erster Linie eigentlich Kaffee mache.
André
Guten Kaffee?
Wolfgang
sehr guten Kaffee.
Jens
Das klappt schon. Ich würde sagen,
André
dann lade ich mich mal jetzt ein hiermit. Machen wir ein paar Fotos auch.
23:13Julio Rondo and the pleasure of craft
Wolfgang
Genau. Das ist tatsächlich so, da kann ich was dazu sagen. Und zwar, ich war, hatte ich ja vorhin erzählt, ich war Assistent von Julio Rondo.
Und Julio Rondo ist so ein Künstler, ich würde sagen, ein paar Jahre älter als ich. Aber der war damals an dem Punkt, wo ich jetzt heute bin. Und das schönste Ritual war eigentlich, dann nach oben zu gehen.
und ein Latte Macchiato an seiner Pavoni einarmigen Maschine zu machen, wo man den Druck nochmal erhöht, indem man den Hebel so runterdrückt. Und es war für mich wirklich ein schönes Ritual, weil einfach in diesem Atelier auch ganz ähnlich wie bei mir heute auch die Dinge schön gestaltet sind, eine gute Atmosphäre herrscht, eine gute Atmosphäre immer war und es war ein unheimlich toller Ort für mich. Es war wirklich Eye-Opening.
Hat das dich geprägt? Das hat mich total geprägt. Also die Arbeit bei Julio im Atelier, das war für mich wirklich beeindruckend.
Jens
Du hast ja selbst Assistenten. Versuchst du sowas ein bisschen weiterzugeben?
Wolfgang
Nicht bewusst, also nicht bewusst, aber ich vermute mal, dass das natürlich auch irgendwie ausstrahlt auf die People, die bei mir mithelfen und auch Praktikum machen. Also es gibt immer wieder Praktikantinnen und da versuche ich schon auch irgendwie dieses Gefühl, aber auch zu zeigen, dass es nicht, das fällt nicht einfach zu, sondern das ist wirklich alles mit Arbeit verbunden oder mit Disziplin. und mit auch
Jens
Überwindung. Ja,
Wolfgang
und auch so sich organisieren und halt nicht nur angenehme, schöne Arbeiten, sondern ich stehe ja eigentlich die meiste Zeit auch in meinem Lackieranzug mit Maske, mit Vollmaske im Lackierraum und sprühe da stundenlang vor mich hin oder wir schleifen an den Skulpturen dann. Das ist eine echt anstrengende Arbeit. Also das sieht dann natürlich alles immer so toll aus. Ich bin dann viel unterwegs auf Openings oder ja, also meine nächste Ausstellung ist jetzt in Taiwan, da fliege ich nach Taiwan, freue mich auch sehr darauf, aber die Realität ist natürlich irgendwie Atelierarbeit und nicht bei den Openings dann Champagner trinken.
Jens
Wir haben uns irgendwann auch im Vorfeld mal drüber unterhalten und du hast es jetzt ja auch schon so ein bisschen erwähnt, dass du unterschiedliche Tätigkeiten und so hast und dass nur ein Bruchteil davon der kreative Teil sozusagen ist. Du hast damals sowas gesagt wie, ich habe gelernt zu sehen, wann ich was am besten machen kann. Also mal eine E-Mail schreiben oder was anderes machen und dass du meintest, dass du teilweise so schnell hin und her hüpfst, dass du, ah Mist, die E-Mail gerade angefangen zu schreiben, aber nicht fertig geschrieben, jetzt bin ich schon wieder hier im Sprühraum, Lackierraum. Wie kriegst du das hin?
Wolfgang
Ja, bei mir ist es andersrum. Das ist eigentlich nicht Multitasking, weil ich das muss, sondern weil ich mich so schwer konzentrieren kann. Also ich fange an eine E-Mail zu schreiben, da fällt mir in der Hälfte der E-Mail ein, ich wollte noch das und das machen.
Dann laufe ich runter oder muss vielleicht was ausmessen, um diese E-Mail zu schreiben, muss ich nochmal ein Format ausmessen, eine Skulptur. Dann laufe ich runter, auf dem Weg runter in die Werkstatt sehe ich aber wieder irgendwas, was vorher noch nicht zu Ende gemacht wurde. Dann mache ich da plötzlich weiter.
Dann dabei fällt mir ein, jetzt sprühe ich noch schnell im Lackierraum eine Schicht, dann kann die so lange trocknen, bis ich dann das nächste wieder machen kann, dann habe ich so lange ein bisschen Trocknungsphase. Also so springe ich hin und her und das hat eher was damit zu tun, dass ich mich schwer konzentrieren kann, so lange an einer Sache dranbleiben. Das sind dann eben diese Momente, erst wenn alles so weggearbeitet ist, wo ich dann wirklich mich auf die kreative Arbeit konzentrieren kann und wirklich mich dann vertiefen kann.
Und dann passiert auch sowas Verrücktes eigentlich, dass ich so vertieft bin, dass ich regelmäßig erschrecke, wenn ich angesprochen werde, obwohl ich weiß, das sind jetzt gerade noch zwei Leute im Atelier. Also da erschrecke ich richtig. Also wenn ich dann plötzlich jemand neben mir steht, weil ich so vertieft bin und so in meinem Universum.
Jens
Wie wichtig sind dir die Gespräche mit Sammlern, Sammlerinnen, Künstlerkollegen in deinem Leben? Wie viel Zeit kannst du dir dafür nehmen?
27:54When a work is finished
Wolfgang
Also das ist für mich tatsächlich das A und O. Weil ganz einleitend hatte ich, ganz am Anfang hatte ich schon gesagt, für mich war das von Anfang an relativ klar, also ich als Künstler, ich leiste 50 Prozent, indem ich ein Kunstwerk fertig stelle. Aber es bringt überhaupt nichts, wenn es dann in meinem Atelier steht und Bild vor Bild irgendwie da gestapelt wird und keiner sieht. Erst dann, wenn es irgendwo hängt, wenn es zu Gesprächen führt, wenn es zum Dialog führt.
Darum geht es eigentlich, also für mich, darum geht es mir in der Kunst. Und es ist ja auch kein Zufall, dass meine Arbeiten eigentlich auch wie Spiegel funktionieren. Zum Beispiel mein erstes Atelier, mein erstes größeres Atelier in Berlin, hatte ich dann trotzdem schnell wieder Platzmangel.
Und ich hatte aus einer praktikablen Lösung Haken an die Decke gebohrt und die Skulpturen an Seilen unter die Decke gezogen, also an die Decke gehängt. da hingen da oben meine Skulpturen eigentlich nur aus lagertechnischen Gründen, weil ich, damit die nicht unten rumstehen und mir den Platz versperren. Und dann kamen regelmäßig Leute und sagten, wow, das sieht ja toll aus und stell das doch so aus.
Und dann damals hatte ich noch gesagt, nee, für mich muss eine Skulptur immer im Dialog mit dem Sockel sein. Also Sockel spielten für mich immer eine große Rolle. Die Sockel waren auch immer formgebend.
selten klassische Sockel, wie jetzt hier stehen, sondern gestapelte Ovale, fünfeckige, sechseckige
Jens
Kristallformen oder
Wolfgang
unterschiedliche Oberflächenmaterialien. Ich habe gekachelte Sockel gebaut und so weiter und so fort. Also dieser Dialog von architektonischer Form und fragiler, organischer bewegten Form, so wie so ein Yin und Yang, gehörte für mich immer zusammen.
Und ich habe dann noch so argumentiert, das ist immer so im Dialog zu sehen mit dem Sockel. Und dann später macht das irgendwann mal so Klick, nachdem so wahrscheinlich zehn Leute zu mir sacken sind. Und da dachte ich, oh, ich habe eine super Idee.
Ich hänge einfach mal so Skulpturen einfach so von der Decke in den Raum. Ohne Sockel.
Jens
Hat ja auch was mit Loslassen zu tun, wenn man so seine Vorstellungen hat.
Wolfgang
Aber tatsächlich sind ganz viele solche Dinge über Gespräche passiert. Auch über Gespräche mit Künstlerkollegen, bei Atelierbesuchen, Ideen von meinen Galeristen. Also das ist überhaupt nicht so, dass ich jetzt so großartige Ideen habe oder so.
sondern ich entscheide einfach nur, wann ist der Moment, wo die Allegorie für mich da ist. Also wo eine Arbeit, wo das stimmig ist, also wo eine Arbeit was transportiert, wo eine Arbeit für mich eine Aussage hat oder funktioniert. Also ich kann es jetzt eigentlich schwer so definieren, aber es ist überhaupt nicht so, dass alle Ideen von mir kommen.
Ich bin ja kein Ideengeber, ich kommuniziere ja was. Und ja, also da kommen durchaus viele Impulse von anderen Leuten, auch von meinen Mitarbeitern, Praktikanten, Praktikantinnen. Also das ist so ein Geben und Nehmen und so da fliegen die Bälle hin und her im Idealfall.
Das finde ich eigentlich auch schön.
André
Wolfgang, was geht dir durch den Kopf? Jetzt erster Reflex, wenn du KI hörst.
Wolfgang
Erster Reflex? Keine Ahnung. Keine Ahnung.
Jens
Idee.
31:09Material instead of algorithm
Wolfgang
Keine Idee. Ja, ich persönlich lehne ja irgendwie auch Computer als Tool ab, um Kunst zu machen. Bei mir funktioniert alles manuell und über das Tun und über eigentlich diese menschlichen Fehler, die auch entstehen oder diese menschlichen Unvermögen.
Also meine Skulpturen sind niemals irgendwie über so Algorithmen berechnet, sondern die haben so seltsame Biegungen und Streckungen und Quetschungen. Und Tatsache ist auch, dass die eigentlich, also das kann man sich so nicht überlegen und auch nicht berechnen, sondern es entsteht sogar eigentlich in zwei Schritten oder in mehreren Schritten, dass ich bereits existierende Elemente oder Skulpturen zersäge und dann wieder neu zusammen konfiguriere. Und dadurch entstehen wirklich komplexe Geflechte, die kann man sich so nicht ausdenken.
Und ein Computer würde die irgendwas auch so, was kann man bestimmt irgendwie füttern und dann würde er irgendwas ausspucken, aber es wäre irgendwie immer geglättet und glatt. Und mich interessiert ja aber genau dieses Imperfekte oder auch Seltsame. Ich meine, diese Strukturen kann ich jetzt nicht mit KI generieren lassen, sondern die entstehen experimentell über Materialität, über physische Qualität.
Ich liebe es eben mit Materialien umzugehen, Materialien zu transformieren. Ich gehe in den Baustoffhandel und hole mir Materialien und probiere damit, was damit machbar ist. Das sind ganz einfache, billige Materialien.
Recycling, Upcycling spielt bei mir eine große Rolle. Und Material hat auch immer eine Sprache und eine Haptik und eine Ausdrucksqualität. Und KI ist für mich halt nützlich, wenn ich einen schönen Satz formulieren will.
André
Nutzst du KI als so?
Wolfgang
Also ganz wenig tatsächlich, ja. Da merke ich auch, dass es tatsächlich einen Unterschied gibt zu meinen Kindern, die das natürlich schon als ganz selbstverständlich so als so ein Tool permanent einsetzen. Und für mich, ich nutze es halt gelegentlich, um eine Frage zu stellen oder irgendwas zu erfahren oder so, bevor ich lange recherchieren muss. Aber ich sehe da schon auch große Gefahren in so einer Denkfaulheit und in so einem Abgeben an die KI. Aber das ist jetzt meine ganz persönliche.
33:27AI in art and the NFT hype
André
Jetzt mal, wir hören ja mal mehr, dass KI Musik macht und den Musikmarkt kaputt macht, wie auch immer. Es gibt auch Leute, die finden das toll. Die akzeptieren das. Vielleicht ist es ja auch irgendwie so ein Thema, was irgendwann normal wird.
Wolfgang
Ja, auf jeden Fall, denke ich.
André
In der Kunst, jeder hat einen 3D, oder viele haben einen 3D-Drucker mittlerweile. Könntest du dir vorstellen, KI als Künstler auch zu akzeptieren? Wenn die plötzlich kreativ werden?
Wolfgang
Also wenn ich, also es gibt es ja schon, es gibt ja schon auch Kunstwerke, die durch KI geschaffen werden. Also auch im Kunstmarkt dann auch schon, glaube ich, versteigert wurden schon zu enormen Preisen. Also gibt es schon längst.
Und klar, die Kunst ist immer eigentlich irgendwie super vorne dran, ganz schnell. Und ich habe Künstlerkollegen, die sind jetzt nicht so, ich komme mir ja davor wie so ein Künstler aus der letzten Generation, der so mit Materialien arbeitet und so sehr physisch, sehr haptisch und so. Ich habe ja Freunde, die sind ganz vorne dran mit crypto und mit programmierungen und und kai und was weiß ich was es absolut spannend und ist auch richtig also aber muss natürlich jeder für sich muss individuell halt auch passen es wäre seltsam also ich bin zum beispiel auch nicht auf diesen zug aufgesprungen mit diesen etfs etfs weil das für mich einfach keinen sinn ergibt also weil es für mich nicht sinnvoll ist meine kunst ist sehr ja physisch erlebbar und Material. Nee, man hat das andere,
André
das waren nicht ETFs.
Wolfgang
Doch, doch, ETFs. Das meinte ich. Also, weil das war ja mal ein riesen Run und alle Künstler.
André
Nee, genau. Ihr meint nicht ETFs. Ihr meint jetzt die wie heißt das nochmal?
Wolfgang
NFTs. NFTs. Ja, richtig. Wir haben so viel Geld gesprochen. Achso, genau.
André
NFTs, genau. Also, dass sie wirklich Richtig.
Wolfgang
Also, es gab ja mal diesen riesen Hype um diese NFTs, genau. Und wo einige meiner Freunde dann direkt auch aufgesprungen sind und da anfing damit irgendwie so rum zu hantieren. Und für mich muss es halt, also ich würde es jetzt nicht ablehnen. Ich würde es nicht prinzipiell sagen, es existiert für mich nicht. Aber wenn es in dem Moment, wo es für mich Sinn macht, würde ich es einsetzen, ganz klar.
Jens
Eher so als Werkzeug, wenn ich es so richtig verstehe. Ja, genau.
Wolfgang
Als Hilfsmittel, als Tool oder als Werkzeug oder so. Aber ich bin ja auch nicht jemand, der jetzt mit digitalen Medien arbeitet oder der irgendwie diese Dinge thematisiert oder entlauft oder da irgendwas...
André
Technologie im Gesamten, welche Rolle spielt das auch in deinem Privatleben? Bist du da offen für oder bist du eher der analoge Mensch? Also Technologie, KI ist jetzt ein Beispiel gewesen. Du hast jetzt mir von erzählt, du hast ein Elektromoped. Scheinst du auch offen zu sein, weil es praktisch ist? Absolut,
Wolfgang
auch aus Überzeugung, ganz klar. Und das ist ja das schönste Beispiel. Jetzt haben wir gerade Krieg.
Die Straße von Hormuz ist gesperrt und wir haben Ölengpass. Aber was weiter funktioniert ist Wind und Sonnenenergie. Und mein Elektroding kann ich halt weiterladen mit meinem Balkonkraftwerk.
André
Ja, schön, dass du es da bist. Tatsächlich, das passt auch zu der Folge mit Paul zum Thema, wie steht es mit der Elektromobilität? Wo steht sie?
36:41Europe, energy and what is at stake
André
Wo steht sie? Wir haben ja bei 2080 nicht nur das Themendreieck, Gesellschaft, Kunst und Technologie, sondern wir stellen uns auch die Frage, die europäische Idee als Nordstern, als Leitbild, als das, was für Freiheit steht, für Offenheit, keine Grenzen. Wir haben das ja mehrfach schon thematisiert, auch in Folge 0. Lohnt sich vielleicht dann mal für euch, falls es sich interessiert, die auch anzuschauen.
Wie stehst du dazu, Europa, die Idee von Europa?
Wolfgang
Naja, ich bin 1974 geboren. Ich bin noch aufgewachsen, als wir, also die wenigen Urlaube, die wir als Familie gemacht haben, standen während der Grenze nach Österreich im Stau. Und es war für mich natürlich großartig so zu erleben, dass Grenzen wegfallen, dass der Euro kommt, dass der Kalte Krieg beendet wurde und so weiter.
Und es ist ziemlich eigentlich für mich auch schockierend oder deprimierend irgendwie zu sehen, wo wir uns jetzt phasenweise wieder hinbewegen und wie so die politischen Entwicklungen sind allgemein. Aber ich bin ja tatsächlich auch viel unterwegs und genieße es extrem, ohne mit meinem Personalausweis in Flieger zu steigen. und dann bin ich kurz darauf in Madrid und ich könnte jederzeit auch, ich war ja drauf und dran in Frankreich irgendwie auch teilweise zu leben und das finde ich eine wunderbare und großartige Idee und Europa als solches ist ja wirklich fantastisch mit diesem Reichtum an Kultur, den wir auch haben.
Jens
Im kleinsten Abstand.
Wolfgang
Im kleinsten, genau. Und in so einer Dichte und beeindruckend. Also absolut wahnsinnig interessant, diese ganze Geschichte, diese ganze Kultur, die wir haben.
Also ich war letztes Jahr das erste Mal in meinem Leben in Rom und ich war sowas zweimal dann zum Glück gleich direkt. Ich war sowas von beeindruckt und hin und weg. Durch diese Reichtum an Geschichte, der da überall präsent ist.
Also ich bin absolut ein Freund, so diese Liberalität, Freiheit.
Jens
Ist das auch was, wir hatten letztens telefoniert, da warst du gerade in Bad Gastein. Und soll jetzt keine Werbung sein, war halt einfach so. Und die Menschen, die du dort triffst vor Ort oder die dort vielleicht auch hingezogen sind oder sich gerade in dem Moment dann auch dort aufhalten, merkst du da irgendwo ein anderes Gespräch über Europa als vor zwei, drei Jahren?
Oder sind das Menschen, die auch für Europa brennen? Weil sie davon ja auch eigentlich, Wir hängen ja im Endeffekt alle davon ab. Manche checken es glaube ich nicht.
Wolfgang
Naja, ich würde sagen, da trifft es tatsächlich zu, dass ich mich in der Blase bewege. Also dass ich mit sehr weltoffenen Menschen unterwegs bin, sehr liberalen Menschen im Grunde. Es gibt ja automatisch so eine Art Gravitation, dass sich Menschen eigentlich begegnen oder treffen oder miteinander zu tun haben, wo eine gewisse Wellenlänge oder Frequenz einfach dann auch da ist, wo man klickt, wo man sich versteht.
Und das sind dann eigentlich durchgängig, fast durchgängig Leute, die das schätzen, die das zu schätzen wissen, die überall leben und überall leben können und sich überall aufhalten können und auch alle so akzeptieren, wie sie sind. Unterschiedliche Kulturen schätzen und nicht als Gefahr wahrnehmen, sondern eigentlich so als Benefit. Und so sehe ich das ganz klar auch.
Ich möchte aber auch, ich muss aber echt auch, also ich bin halt eben als Künstler unterwegs und stehe natürlich für eine gewisse Haltung, für eine weltoffene, für eine liberale Haltung, für eine zwischenmenschliche, wie soll ich sagen, warme Komponente irgendwie so in diesem, also wo ich sehe, ich sehe uns auch irgendwie so, ich sehe das alles immer auch so in einem Zusammenhang. Also alles hängt ja irgendwie auch mit allem zusammen und man kann die Dinge nicht so isoliert betrachten und auch nicht so isoliert handeln. Das führt eigentlich nie wirklich zu etwas Gutem.
Und das fängt im Mikrokosmos an hier in unserer Stadt und geht auch weiter. Wir sind halt alle irgendwie abhängig und alles beeinflusst alles, leider.
Jens
Gibt es was, weil wir jetzt gerade international gesprochen haben oder europäisch, gibt es was, auf das du dich in Taiwan, weil du es vorher angesprochen hattest, freust gerade oder am meisten darauf hin, also neben Messebeteiligung etc., aber worauf du richtig gespannt bist?
Wolfgang
Also ich bin sehr gespannt auf Taiwan, weil das tatsächlich das erste Mal ist, ich habe da zwar schon öfter ausgestellt, das fiel aber immer so, entweder waren es Gruppenausstellungen, wo es jetzt keinen Sinn macht hinzufliegen und dann war es eine Einzelausstellung genau zu Corona. Jetzt war tatsächlich auch die Frage, ob mein Flug überhaupt geht wegen diesem Flug.
Jens
Doha, Dubai. Genau,
Wolfgang
ob die Flug, wie sagt man, der überhaupt geöffnet ist, ob es überhaupt möglich ist.
André
Im Iran-Konflikt gerade.
Wolfgang
Also es stand jetzt auch schon, war jetzt nicht so genau klar, ich hoffe, dass es klappt, aber ich freue mich sehr darauf, weil Taiwan, so wie ich das mitbekommen habe, sehr kulturell und sehr intellektuell aufgeschlossen ist und sehr westlich auch orientiert. Von daher wahrscheinlich so eine spannende Mischung sein wird aus so einem ganz anderen Universum, so asiatische. Und auch, glaube ich, eine ganz andere Pace, andere Geschwindigkeit. Also ich bin sehr gespannt, weil ich tatsächlich nie dort war. Das ist das erste Mal für mich und freue mich da wahnsinnig darauf.
42:30Nova’s question: the chef and the unfinished work
Nova
So, jetzt aber auch zu meiner Frage. Wolfgang, du hast gesagt, dass ein Kunstwerk für dich erst vollständig ist, wenn es in den Dialog mit Betrachterinnen und Betrachtern tritt. Mich interessiert: Gab es einmal eine Interpretation deiner Arbeit von außen, die dich selbst überrascht hat? Vielleicht sogar so sehr, dass sie deine eigene Sicht auf das Werk verändert hat?
Wolfgang
Das ist eine total interessante Frage, weil das ist tatsächlich so. Eine Reaktion, die mir spontan in den Sinn kommt, war eine Köchin, die sich durch meine skulpturen an so rührbewegungen im kochtopf erinnert fühlten also und das fand ich so witzig und da habe ich auch gemerkt wie viel das eigentlich letztendlich immer mit dem betrachter selbst zu tun hat was jemand darin sieht mit seinem eigenen hintergrund und wie soll ich sagen bringt mir was zurück an an reflektion oder an einschätzung oder wahrnehmung was ich auch selber wieder bereichernd finde. Das ist eine sehr gute Frage.
Jens
Wenn du könntest, Wolfgang, was würdest du deinem 25-jährigen Ich total gerne mitgeben?
43:44His 25-year-old self: trust your intuition
Wolfgang
Ich mit 25 zurück. Ich würde sagen, folg deiner Intuition, folg deinem Gefühl und vertraue auf deine Intuition und deinen Träumen. Das habe ich letztendlich so genau gemacht, dass ich meinem Traum gefolgt bin.
Und das würde ich auch jedem raten. Also einfach so, du lebst halt genau ein Leben und das sollte man sich immer so, immer mal wieder auch so die Zeit nehmen und die Revue passieren lassen und sich so vorstellen, werde ich am Ende meines Lebens sagen, es war irgendwie gut so. Es war, die Kollateralschaden halten sich in Grenzen und es war ein erfülltes und gutes und spannendes Leben.
Das ist natürlich für jeden individuellen. Das heißt überhaupt nicht, dass jeder Künstler werden soll. Und der eine braucht mehr Sicherheit und der andere weniger.
Aber das Entscheidende ist, folg deinem Gefühl, folg deiner Intuition. Das ist ganz wichtig. Und nicht irgendwelchen anderen und nicht irgendwelchen Statusideen, nicht irgendwelchen Vorstellungen, die von außen kommen oder die man gerne sein möchte, sondern folg deinem ganz persönlichen, tiefen Inneren.
Jens
Toll. Vielen Dank.
André
Ich gehöre auch dafür. Das ist schön. Wolfgang, hast du 2026 irgendwas Spannendes vor der Brust? Projekte, Urlaub?
Wolfgang
Urlaube gibt es bei mir weniger, weil ich brauche eher diese Mission, die mich irgendwo hinführt. Ich freue mich wahnsinnig auf Bad Gastein. Da war ich eingeladen, um mir ein paar Orte anzuschauen.
Da gibt es ein schönes Festival, das heißt Sommerfrische Kunst. Ich bin leider nicht offiziell Teil dieses Projektes, aber irgendwie indirekt ein bisschen involviert über Freunde von mir, die das ganz liebevoll organisieren. Und darüber freue ich mich wahnsinnig.
Ich freue mich immer, wenn Menschen sehr engagiert und mit viel Hingabe und Liebe irgendwas für mich machen und organisieren. Das wird gar nichts Großes, aber darauf freue ich mich sehr. Und dann zum Beispiel die nächste größere Einzelausstellung wird in jedem Fall in Düsseldorf sein bei Grölle.
Darauf freue ich mich, weil da werde ich auch wieder versuchen, mich selber irgendwie zu überraschen oder was Neues zu machen. Es wird nicht was komplett Neues sein, aber es wird irgendwie als Ausstellung, muss es für mich zünden. Und das wird für mich noch eine Herausforderung.
Das ist dann, glaube ich, im Oktober, wenn ich das richtig auf dem Schirm habe.
46:24Closing thanks
Jens
Das hat uns, würde ich jetzt mal sagen, richtig Spaß gemacht, dir zuzuhören. Wirklich tausend Dank dafür, dass du hier so schöne Einblicke in dich, in deine Arbeit, in dein Leben uns gegeben hast. Wir sagen danke und verabschieden uns. Das war's für heute.
Wolfgang
Ich beschreibe mich auch bei euch. Vielen Dank für eure Einladung.
46:46Goodbye from Nova
Nova
Auch von mir vielen Dank, dass ihr dabei wart. Wir freuen uns auf eure Kommentare, Anregungen und Wünsche. Abonniert uns gerne. Bis zur nächsten Folge. Habt eine schicke Zeit.
Mentioned in this episode
- Steffen Diemer — Fotograf, arbeitet mit Nassplattenfotografie auf Schwarzglas
- ROI kurz erklärt — Lexikon der Wirtschaft, Bundeszentrale für politische Bildung
- Julio Rondo bei JAEGER ART — Malerei hinter Glas, Wolfgang war sein Assistent
- „Edmond de Belamy“ — 2018 bei Christie’s für 432.500 US-Dollar versteigert
- NFT kurz erklärt — NIST, Non-Fungible Token Security
- Galerie Grölle, Düsseldorf — seine kommende Einzelausstellung
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